Die Geschichte der Spielbank
Die Geschichte der Spielbank Bad Homburg begann vor über 150 Jahren mit ihrer Gründung durch die Brüder Francois und Louis Blanc, aber auch die "Moderne" hat bereits wieder eine Tradition von über 60 Jahren. In beiden Epochen ist die Entwicklung der Spielbank geprägt von wachsenden Besucherzahlen, darunter Gäste von Rang und Namen und von der Einführung von Weltneuheiten.
Über 150 Jahre Tradition

- Der erste Spielsaal
Ende der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts: "Ein kleines Drecknest" lautete das vernichtend klingende Urteil von Francois und Louis Blanc über Homburg vor der Höhe. Aber die kleine Residenzstadt der Landgrafen von Hessen-Homburg bot zwei Vorzüge: die malerische Lage am Taunusrand und zwei Heilquellen. Weitblickend und geschäftstüchtig, wie die Brüder Blanc waren, wußten sie, dass sie mit der konsequenten Verknüpfung von Kur und Spiel in Homburg Erfolg haben würden. Der hochverschuldete Landgraf Philipp hegte die gleiche Hoffnung, und so wurden sich beide Parteien handelseinig.
Am 23. Mai 1841 rollte zum ersten Mal in Homburg die Roulettekugel. Am gleichen Tag feierte man die Grundsteinlegung für das Kurhaus, zu dessen Bau sich die Brüder Blanc verpflichtet hatten. Nach nur zwei Jahren Bauzeit zog die Spielbank vom Brunnensälchen, in dem die Spielbank seit 60 Jahren wieder residiert, in die neuen prächtigen Räume um. Eine "Weltneuheit" verlieh der Homburger Spielbank von Beginn an magnetische Anziehungskraft: Die Brüder Blanc schafften als erste die bis dahin beim Roulette übliche Doppel-Zero ab, was für die Gäste erheblich höhere Gewinnchancen bedeutete.
Zugleich entwickelten sie in den folgenden Jahren Homburg zu einem Kurbad mit internationalem Flair. Die Blancs steckten viel Geld in die Förderung des Kurbetriebs, schenkten der Stadt die Straßenbeleuchtung, initiierten die Verlegung von Wasserleitungen und ermöglichten mit dem Bau der Eisenbahnverbindung nach Frankfurt den Anschluß Homburgs an die Welt.

- Kurhaus um 1860
Homburg und die Brüder Blanc brachten sich gegenseitig den erhofften Wohlstand und Reichtum. Der kleine Kurort "vor der Höhe" strebte von Jahr zu Jahr weiter auf die Höhe und verwandelte sich zu einem der führenden Spielbadeorte Europas. Von Paris bis Petersburg, von London bis Madrid berichteten die großen Gesellschaftsblätter über die luxuriösen Annehmlichkeiten und von den sagenhaften Gewinnen, die man in der Homburger Spielbank machen könne. Und sie kamen alle. Adelige und Revolutionäre, Millionäre und Dichter verewigten sich im Gästebuch der Spielbank.
Der 31. Dezember 1872 war ein schwarzer Tag in der Geschichte Homburgs. Die Spielbank schloß für viele Jahrzehnte ihre Türen. Das kleine Fürstenturm war nach Aussterben des Landgrafenhauses preußisch geworden, und in Preußen herrschte Spielbankverbot. Gleichwohl fiel der Kurort nicht in die Mittelmäßigkeit zurück. Im Gegenteil, Homburg entfaltete sich durch den weiteren Ausbau des Heilwesens zu einem Heilbad von Weltrang, in dem die gesamte Aristokratie Europas Erholung suchte. Das preußische Kaiserhaus erkor das Landgrafenschloß zu seiner ständigen Sommerresidenz.
Aber auch Francois Blanc − sein Bruder Louis war 1850 gestorben − war gut versorgt. Er hatte schon 1863 die Konzession für eine Spielbank in Monaco erworben. Mit seiner Frau Marie wiederholte er den Homburger Erfolg auf dem monegassischen Felsen und baute das Casino Monte Carlo zu einer der berühmtesten Spielbanken der Welt auf. Die Bad Homburger Spielbank gilt deshalb seit ihrer Wiedereröffnung 1949 mit Fug und Recht als die "Mutter von Monte Carlo".
Über 50 Jahre Moderne
Nach dem 2. Weltkrieg kehrte das Glück nach Bad Homburg zurück. Oberbürgermeister Horn und sein Vertreter Bastian setzten alles daran, der Kurstadt wieder zum Aufschwung zu verhelfen. Im Oktober 1948 eröffnete Hermann Heidtmann einen kleinen Spielbetrieb mit "Spiralo", ein von ihm in Anlehnung an das klassische Roulette entwickelte Geschicklichkeitsspiel. Als das Land Hessen die Genehmigung zum Betrieb der Spielbank erteilte, erhielt er auch diese Konzession. Am 7. April 1949 rollte in der "Mutter von Monte Carlo" erstmals wieder die Kugel durch den Roulettekessel.
Die Gäste strömten nur so in die Spielbank im Kurpark, das dem Ansturm schon bald nicht mehr gewachsen war. Heidtmann ließ mehrere Anbauten errichten, um den Spielbetrieb zu erweitern und ein elegantes Restaurant einzurichten. Auch sein Nachfolger Werner Wilhelm Wicker, der die Konzession 1976 erhielt, vergrößerte das Gebäude und verschönerte die Räumlichkeiten. Dafür investierte er bisher rund 20 Millionen Euro. Wie ihre Vorgänger, die Brüder Blanc, mußten übrigens auch Heidtmann und Wicker für die Konzession eine "Morgengabe" entrichten: Heidtmann baute das Nachkriegskurhaus und Wicker das Thermalbad "Taunus-Therme".
Die Wicker & Co.KG steuerte die Spielbank Bad Homburg durch attraktive Neuerungen in die Top-Ten der bundesdeutschen Spielbanken.
Die Brüder Blanc

- Francois Blanc
Die eineiigen Zwillinge Francois und Louis Blanc, am 12. Dezember 1806 als Söhne eines Steuereinnehmers geboren, waren schlau, weitblickend, geschäftstüchtig und von dem Wunsch beseelt reich zu werden. Von Mutter Marie-Therese mit einer guten Erziehung und Ausbildung sowie einem Startkapital von je 500 Francs ausgestattet, suchten sie ihr Glück nach wechselnden Betätigungen zunächst in der Finanzwelt. In Bordeaux eröffneten die Brüder Blanc 1830 ein kleines Bankgeschäft und wußten bald, sich gegenüber der Konkurrenz in Vorteil zu bringen. Ihrer "phantasievollen" Methode, über die Börse in Paris früher informiert zu sein als ihre Provinzkollegen, setzte allerdings ein Gericht ein Ende. Über Paris zogen die Brüder Blanc nach Luxemburg, wo sie den hessen-homburgischen Landgrafen Ludwig kennenlernten. Dessen Bruder Philipp holte nach seiner Regentschaftsübernahme Francois und Louis Blanc nach Homburg und erteilte ihnen die Konzession "zur Ausübung des Hasardspiels".

- Marie Blanc, geb. Hensel
Francois Blanc gründete eine Familie, deren Nachkommen in die europäischen Adelshäuser einheirateten. Marie Hensel, Tochter eines Friedrichsdorfer Schuhmachers, kam 1847 in das Blanc´sche Haus. Eigentlich wollte Francois das junge Mädchen nur aus wohltätigen Gründen unterstützen, aber er fand Wohlgefallen an dem aufgeweckten Mädchen. Nach einem, wie es hieß, kleinen Skandal verpflichtete er sich, sie in einer exklusiven Klosterschule bei Paris ausbilden zu lassen und dann zu heiraten.
Die Hochzeit fand am 20. Juni 1854 statt - er war 47 Jahre alt, sie zählte nicht einmal 21 Lenze. Dennoch führten die Blancs eine gute Ehe, aus der drei Kinder hervorgingen. Madame Blanc genoß den Reichtum und trug gerne kostbaren Schmuck, betätigte sich zugleich aber auch als Wohltäterin. Als Francois Blanc am 27. Juli 1877 im Schweizer Kurort Leukerbad starb, leitete Madame Blanc bis zu ihrem Tod vier Jahre später die Spielbank in Monte Carlo. Das Ehepaar Blanc hinterließ den Kindern ein Vermögen von 80 Millionen Franc sowie eine ganze Reihe von Häusern und Schlössern.
Gästebuch mit illustren Namen
Seit ihren Anfängen wird die Spielbank Bad Homburg gerne von hochrangigen Persönlichkeiten besucht. Im vorigen Jahrhundert zählte der russische Dichterfürst Dostojewski zu den berühmtesten Gästen. Auch Lucien Bonaparte, ein Neffe von Kaiser Napoleon fand in Homburg sein Glück.
Nach dem 2. Weltkrieg besuchten Künstler wie Nadja Tiller, Lis Verhoeven, Cornelia Froboess, Elke Sommer, Heidelinde Weiss, Gerlinde Locker, Ingrid Steeger, Curd Jürgens, Walter Giller, O.E. Hasse, Martin Benrath, Harald Leipnitz, Ernst Stankovski und Ivan Rebroff sowie Sportler wie die russische Davis-Cup-Mannschaft, Schwimm-Star Mark Spitz Bad Homburg. Mit dem ehemaligen polnischen Staatspräsidenten Lech Walesa begrüßte die Spielbank im November 1998 zudem einen hochrangigen europäischen Politiker.
Die fünf Weltneuheiten
Die Spielbank Bad Homburg ist bekannt für ihre Innovationen, die − bis auf die exklusive "Bad Homburger Viertelchance" − weltweit in den Casinos Nachahmung fanden.
Die 1. Weltneuheit: die Abschaffung der einstmals üblichen Doppel-Zero. Diese Weltneuheit wurde schon bei der Gründung der Homburger Spielbank 1841 von den Brüdern Blanc eingeführt und bedeutete erheblich höhere Gewinnchancen.
Die 2. Weltneuheit: die vollautomatische Permanenzenerfassungs- und Anzeigenanlage. Sie stellte die Wicker & Co.KG 1984 als ihre erste Innovation vor. Durch ein elektronisches "Auge" am Roulettekessel wird die Zahl, auf die die Kugel gefallen ist, sofort und exakt erfasst, automatisch registriert und auf großen, für das Publikum gut einsehbaren Zahlensäulen angezeigt. Der Besucher, der die chronologische Reihenfolge der Gewinnzahlen (Permanenzen) früher oft stundenlang auf Vordrucken notierte, kann jetzt zu jeder Zeit und von allen Tischen die Permanenzen vom Computer ausdrucken lassen.
Die 3. Weltneuheit: die EDV-Erfassungsanlage an der Rezeption. Sie wurde im eigenen Haus entwickelt und 1988 eingeführt. Ist der Gast registriert, wie es das Gesetz vorschreibt, erhält er eine Eintrittskarte mit Codierstreifen. Sie muss beim nächsten Besuch nur noch eingelesen werden. Auf diese Weise hat sich die Verweildauer an der Rezeption erheblich verkürzt.
Die 4. Weltneuheit: die "Bad Homburger Viertelchance". Sie basiert auf einer Idee von Erwin Kollmar, Herborn, und gibt es seit 1990 exklusiv nur in der Spielbank Bad Homburg. Mit dem Setzen von gleichzeitig neun Zahlen − die Zahlenblöcke 1-9, 10-18, 19-27 oder 28-36 − bietet sie dem Spieler vereinfachte Wahlmöglichkeiten und damit neue Chancen.
Die 5. Weltneuheit: "die Chance Blanc-Karte". Wenn der Gast mit dieser Spielkarte einen Black-Jack erzielt, wird 3:1 ausgezahlt. Die Spielbankgesellschaft ließ die "Chance Blanc" patentrechtlich sichern, d.h. sie wird exklusiv nur in der Spielbank Bad Homburg angeboten. Die Chance Blanc Karte gibt es seit dem 21. November 2003.
